passive activism
lars schmidt
poetic.resistance

Gedichte

_Auszug aus 'Gesang der Vögel' (1998-2002)

Ein Zeichen will ich finden
Das meinen Platz einnimmt
Das Menschsein gibt mir wenig
Bin Geist, bin unbestimmt

Ich werde deine Seele
Ich werde deine Hand
Verwandle mich in alles
Worin ich Schönheit fand

So wird mein Leben sichtbar
So werde ich erfühlt
Die Schönheit wird begreifbar
Die Welt wird ein Geschenk

*

Ich sehe einen Stamm und das Wasser und ein weites Weideland.
Und dunkelgraue Wolken ziehen schnell über den Himmel, wie nach einem Sturm
und überall kauern Menschen im nassen Gras
und sie sind allein oder in kleinen Gruppen und sie tragen schwarze Kleider
Und einige sehe ich, die sind in Zuegen auf Wanderschaft.
Und die Bäche sind über die Ufer getreten und die Häuser sind mit starken Balken gebaut, dunkel von Regen
Und die Wolken trennen die Sonne von der Erde und schnell ziehen ihre Schatten und manchmal fährt Licht über die Wiesen
Und es brennen Feuer auf den Hügeln, in Kreisen von Stein
Und die Feuer verschwinden, waren nur Erinnerung
An die Zeiten in den Wäldern und Feldern, an die Zeiten der Ernte und der Saat,
an die Zeiten, in denen wir um die Flammen tanzten und uns wuschen und schwammen im Fluss und ihnen allen Lieder sangen.

*

Ihre Augen waren ausgewaschen
Ihr Körper sehr beweglich
Ihr Küssen beinah unerträglich
Langsam wurde ich umschlossen

*

Du hast das Letzte,
das Salz fuer die Erde
Du bist das Erste und
Du bist der Weg
In Dir ist alles, wodurch ich lebe
In Dir versammelt es sich zum Gebet

*

Ich sehe dich nicht
doch ich ertaste dein Gesicht
deine Knochen aus Glas
die von einer Schiefermauer gestuerzt sind

Ich küsse den Schorf, dein Auge
und bringe dich in Sicherheit

*

Der Schnee kommt von Norden und klammert sich fest am Baum

*

Blütenblätter von roten Nelken
quellen aus meinem Mund

*

Wolken am Himmel
Sind Wasser und Licht
Sterne erblühen im Augenblick
Weiss ist die Summe der Farben der Welt
Klang ist die Welle, die alles erfüllt

___

_Auszug aus 'Gelerntes Wort'(2021)

Eine Traumzeichnung
Ein gelerntes Wort

*

Kein Ort
Während die Welt
zu klein für mich
scheint, die Zeit
zu kurz
die Zeit, die
transparent wird, sobald
ich begreife
Die Kultur ging verloren
Nein
Sie wurde bleich
wie ein Blatt, das lange
in der Sonne liegt
Jetzt ist es Herbst
sagt die transparente Zeit
Auch das Blatt lässt sich nicht begreifen,
zieht sich
ein neues Kleid an
Und du denkst, es
ist verschwunden
Die Sprache
der Zeit
Mehr nicht
und nicht weniger
Ein stilles Wort
vereint die Dinge

*

Nicht ein Ort
ein Tun
vielleicht
Es sei dem Raum überlassen

*

Zirbel
Wasser, klar
Keine Meinung. Blumen

*

Stern
nicht aufgeregt
Eine Zeit lang bin ich gewandert

_
©lars schmidt